Hühner auf dem Biolandhof Bodden

Das Zweinutzungshuhn

Die besonderen Bio-Eier

Wenn wir im Laden über „unsere“ Eier reden, werden wir bisweilen sehr leidenschaftlich. Warum das so ist und was das Zweinutzungshuhn damit zu tun hat, erläutert dieser Beitrag.

Viele von euch kennen (und lieben) unsere Bioland zertifizierten Eier, die ihr in allen möglichen cremefarbigen (zuletzt auch bläulichen) Tönen bei uns kaufen könnt. Auch wir lieben diese Eier vom Bioland Geflügelhof Bodden in Goch sehr und freuen uns immer, darüber mit euch ins Gespräch zu kommen.

Warum wir so gerne über unsere Eier sprechen?

Seit einigen Jahren haben wir selbst Hühner im Garten und beobachten die Damen nur zu gerne beim Picken, Scharren und Staubbaden. Hühner machen einfach ganz viel Freude, kein Wunder, dass uns ihr Wohl am Herzen liegt. Da nicht jeder Hühner halten kann oder will, die Eier unserer Damen für unseren Verbrauch gedacht sind, wir euch im Laden aber auch die bestmöglichen Bio-Eier zum Kauf anbieten möchten, kommt das Zweinutzungshuhn ins Spiel (dazu gleich mehr). Jo, werden manche von euch sagen, 65 Cent für ein Ei ist ne Menge. Wir möchten euch kurz erklären, warum die Bio-Eier vom Zweinutzungshuhn für uns dennoch die einzig wahren Eier sind.

Übrigens werden wir von euch immer wieder gefragt, warum wir nicht Eier unserer eigenen Hühner im Laden verkaufen. Neben ausreichend Hühnern, muss man für die Vermarktung von Eiern auch eine Zulassung für eine Packstelle haben. Denn nur diese Packstellen dürfen Eier nach Güte und Gewichtsklasse sortieren. Dort erhalten die Eier auch ihren Stempel. Die erste Nummer steht für die Haltungsform und sagt euch mit „0“, dass es Bio-Eier aus ökologischer Erzeugung sind, das „DE“ steht für Deutschland, die ersten zwei weiteren Ziffern zeigen das Bundesland an („5“ = NRW), zum Schluss kommt die Nummer des Betriebs. So kann jedes Ei dem Hof zugeordnet werden.
Lediglich bei der Direktvermarktung, also dem Verkauf ab Hof, entfällt diese Kennzeichnungspflicht.

Dieses Schaubild der Ökologischen Tierzucht erläutert die goldene Mitte der Zweinutzung.

Bio (zu erkennen an der gestempelten Nummer, die mit „0“ beginnt) ist ja sowieso für uns selbstverständlich. Jeder der Bio-Eier kauft, ist schonmal gut beraten. Danke dafür! Aber es geht tatsächlich noch besser. „Unsere“ Hühner in Goch sind besondere Hühner, die es (leider) noch nicht überall gibt. Die „geheime Superkraft“ dieser Hühner ist, dass sie sogenannte Zweinutzungshühner sind.

Zweinutzungshühner? Was ist das?

Ganz einfach: beide Geschlechter sind wirtschaftlich sinnvoll und biologisch sowie ethisch vertretbar. Warum ist das wichtig? In der Vergangenheit gab es zwei vollkommen unterschiedliche, nicht miteinander vereinbare Ziele in der Hühnerindustrie: Eier ODER Fleisch. Die Produkte der Zuchtauslese waren (und sind) Lege-Hybridhennen und Mast-Hähnchen. Die Hennen produzieren bis zu 330 Eier pro Jahr und schaffen diese erzwungene Leistung nur durch hochenergetisches Futter und verlängerte Tage in künstlich beleuchteten Ställen. Sie würden verhungern, wenn sie kürzere (= normale) Tage und weniger Energie durch normales Futter bekämen.

Nach spätesten 15 Monaten sind diese Körper verbraucht und werden ausgestallt. Hört sich nach Freiheit an, ist es aber in der Regel nicht. So wird Platz für neue Legehybride aus der Industrie geschaffen. Marktführer – und deshalb in unseren Augen „fälschlicherweise“ das „normale“ Huhn – ist das „Lohmann Braun“ Huhn, ein Hochleistungshuhn aus gezielter Produktivitätsmaximierung. Dieses Huhn würde beispielsweise in unserem Garten – ohne Hochleistungfutter und Stallbeleuchtung – nicht mehr leistungsgerecht versorgt werden und abmagern. Es müsste eine riesige Menge an Futter aufnehmen, um die Energie aufzubringen, die sein „vorprogrammierter“ Körper für die Menge an Eiern benötigt. Diese gesundheitlichen Auswirkungen sind im Sinne des Tierwohls wirklich bedenktlich. Ob „Bio“ oder nicht ist in den Nutzungswerten tatsächlich egal.

Masthähnchen sind eigentlich noch schlimmer. Nach 6-7 Wochen (!) haben sie derartig viel Brustfleisch angesetzt (das, was der Mitteleuropäer fast ausschließlich möchte), dass sie vornüber fallen und nicht mehr richtig stehen können.

„Unsere“ Hühner liegen eben genau in der goldenen Mitte: sie legen eine für Hühner vernünftige Menge (ca. 230) Eier und die Hähne setzen über etwa 17 Wochen Fleisch an. Hierzu reicht regional erzeugtes „normales“ Futter vollkommen aus. Das einzige, was dies erfordert, ist mehr Zeit.

Bruderhahn oder doch Kükentöten?

Das Töten von männlichen Küken kurz nach dem Schlupfen ist seit Anfang 2022 in Deutschland verboten. Aber eben nicht überall in Europa. Die Selektion nach Geschlecht (und somit das „Aussortieren“ männlicher Embryonen) ist im bebrüteten Ei (= lebend) nach ca. 4-7 Tagen zur Zeit erlaubt und wird im großen Stil unter den verniedlichenden Begriffen wie „Seleggt“ und „Respeggt“ praktiziert. Die aktuell marktreifen Verfahren der In-Ovo-Selektion funktionieren sogar frühestens ab dem 9. Bruttag. Wer schon einmal Eier gebrütet hat weiß, dass zu diesem Zeitpunkt schon ordentlich Bewegung im Ei ist (das Herz schlägt bereits am 3. Bruttag). Warum die Bundesregierung diese Verfahren als Alternative zum Küken-Schreddern anführt und sogar fördert ist (uns) unklar.

Fazit

Die oben beschriebenen, traditionellen Zuchtrichtungen „(braune) Legehenne“ und „Masthähnchen“ sind mit den Anforderungen an eine wirtschaftliche aber eben auch ethische vertretbare Eier- und Fleischproduktion bei Hühnern nicht vereinbar. Das Zweinutzungshuhn aus ökologischer Züchtung (wir nennen es im Laden gerne das Huhn-Huhn) stellt wie im nebenstehenden Schaubild zu sehen die goldene Mitte dar, und es wäre wünschenswert, wenn sich die Haltung dieser Zweinutzungsrasse auf Bio-Höfen über kurz oder lang durchsetzen würde.

Was genau es mit Bruderhahn und Zweinutzungshuhn auf sich hat, kann Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht, natürlich noch viel besser erklären. Sie war im Februar in der WDR Sendung „Hier und heute“ zu Besuch. Ihr gelangt zum 9-minütigen Beitrag, der in der ARD-Mediathek zu finden ist, wenn ihr auf untenstehendes Foto klickt.

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